Buch: Frank Schätzing, "Der Schwarm"
"Thriller des Jahres" steht hinten auf der Taschenbuchausgabe von "Der Schwarm"
und dem kann man leicht zustimmen, die knapp 1000 Seiten kann man im Prinzip in einem Rutsch lesen.
Doch dann wirds schwer etwas übers Frank Schätzings Wissenschaftsroman, Ökothriller zu schreiben, ohne zu viel zu verraten.
Gut 70% der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Die Erde, der blaue Planet. Was ist, wenn dieses Meer der Ausbeutung durch den Fischfang, der Erdölinseln und der Verklappung von Abfällen Leid ist? Wie könnte sich das Meer gegen die Erde, gegen die Menschen wehren?
Haie könnten Menschen angreifen, Wale kleine Boote, giftige Quallen vor Badestränden dürften einen auch noch einfallen. Frank Schätzing hat einiges mehr in seinem Buch zusammengetragen - mit katastrophalen Ausmaßen für die Menschheit.
Das Ganze verbunden mit einer Gruppe von Menschen, die nach den Ursachen der rätselhaften Veränderungen des Meeres forscht, um die Menschen zu retten, um zu verstehen was geschieht.
Darunter der Wal- und Verhaltensforscher Leon Anawak, der während der Geschehnisse kurz in seine Heimat und kulturellen Ursprünge zurückkehrt. Und die SETI-Wissenschaftlerin Samantha Crowe, die eigentlich nach außerirdischen Leben im Weltall forscht und sich nun dem Meer zuwendet. Und auf der Seite des Militärs die ehrgeizige Generalin Judith Li, die die Untersuchung leitet und den Wissenschaftlern einige Informationen vorenthält.
Viel Wissenswertes
Frank Schätzing hat fünf Jahre für dieses Buch recherchiert und zwei Jahre lang daran geschrieben. So findet sich viel Wissenswertes übers Meer und aus den Nachrichten der letzten Jahren im Buch wieder. Wie die Fähigkeit der Delphine sich selbst in ihren Spiegelbild wahrzunehmen und zu erkennen. Eine Fähigkeit, die nur wenige Lebewesen auf der Erde besitzen. Die großen Mengen an Energievorräten in Form von Methanhydrat auf dem Meeresboden. Das fettlösliche PCB, das überall in Lebewesen auf der Erde zu finden ist und die nicht zuordbaren Aufnahmen von Unterwassergeräuchen wie Slowdown.
Vergleichbar mit Michael Crichton?
Ein Vergleich mit Michael Crichton (Jurassic Park, Prey, Emergency Room) liegt zwar nahe, weil beide Autoren ihre Bücher auf reale Fakten aufbauen und in der jetzigen Welt spielen lassen, ist aber nicht nötig. Frank Schätzing schreibt unabhängig von Michael Crichton in einem eigenen Stil, auf hohen Niveau.
Wo der Unterschied liegt? Hmm, ist gut ein Jahr her, seit dem ich mit "Prey" und "Airframe" das letzte Mal was von Michael Crichton gelesen habe. Spontan würde ich sagen, schreibt Frank Schätzing länger, eventuell dabei auch bildlicher, filmischer, ohne durch die Länge langweilig, sondern im Gegenteil sehr spannend zu sein.
Lesenswert
Wenn man auf Spannung rund ums Thema Meer steht, ist das Buch uneingeschränkt lesenswert. Wobei ich finde, dass das Buch mit den philosophischen Betrachtungen zum Schluss hin etwas schwächelt.
Ob es einen neben der Spannung noch etwas an Lebensphilosophie und Verständnis zum Leben im Meer etwas mitbringt hängt davon ab, wieviel man schon weiß. Wer das Meer bisher nur als viel Wasser am Urlaubsort angesehen hat, wird es nach dem Lesen des Buches mit anderen Augen betrachten.
Buchinfo
Frank Schätzing, "Der Schwarm"
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2004
- Hardcover: ISBN 3-462-03374-3
- Taschenbuch: ISBN 3-596-16453-2
- Hörbuch: ISBN 3-89940-396-7
Rückentext der Taschenbuchausgabe
Vor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen. Frank Schätzing inszeniert den Feldzug der Natur gegen den Menschen als atemberaubendes Schreckensszenario mit Tempo und Tiefgang.
