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Montag, 18. August 2003

Musik: Doch berühmt durchs Internet?

Smudo von den Fantastischen Vier meinte damals im Interview in der CT 03/2000, dass allein durch die Verbreitung von Musik übers Internet niemand berühmt werden kann,

weil fürs berühmt werden, die Musikindustrie mit ihrer Marketing-Infrastruktur aus Videos, TV- und Radio-Präsenzen, Konzerten und Verkäufen notwendig ist.

Zitat:

Log dich doch mal auf einer solchen MP3-Site ein - welchen Song lädst du dort runter? Da sind lauter Bands, die du nicht kennst, die du auch nie kennen lernen wirst, weil diese Bands kein Video haben, nicht in deiner Nachbarschaft spielen und du sie nie im Radio hören wirst.

[...]

Also das Ganze 'Die Welt wird frei dank MP3' ist nur bodenloser, pseudonostalgischer Keine-Macht-für-Niemand-Scheiß. Das sind alles Leute, die nicht verstehen, wie das funktioniert mit der Musik und dem Verkauf. Ich rede nur so großspurig daher, weil ich selbst über zehn Jahre gebraucht habe, um das alles zu verstehen.

(Quelle: Smudo, "Mit freundlichen Grüßen: Smudo von den Fantastischen Vier im c't-Gespräch", CT 3/2000, S. 149)

Abgesehen von möglichen, einzelnen Ausnahmen, kann man dem locker zustimmen. Und bisher hat sich seine Prognose auch bewahrheitet. Abgesehen von den Donots fallen mir keine Musiker ein, die übers Internet bekannt geworden sind. Und die Donots hatten hierzu die tatkräftige Hilfe von Virtual Volume und NBC GIGA - sind also nur äußerst indirekt allein übers Internet bekannt geworden.

Soweit, so gut. Smudo hat recht behalten und auch die Einschätzung vieler anderer ist ebenfalls bestätigt. Heute habe ich in der Nordwest-Zeitung nun einen Artikel von Karsten Krogmann in Zusammenhang mit der POPKOMM gelesen, der den Untertitel "Im Zeitalter des Internets ist die Musikindustrie praktisch überflüssig" trägt und damit den Inhalt des Artikels auf den Punkt bringt.

Sprich ist in Zusammenhang mit den P2P-Tauschbörsen und den kopiergeschützten CDs nun doch die Zeit reif geworden, um durchs Internet bekannt zu werden, weil es genügend gibt, die dazu bereit sind unbekannte Musiker übers Internet kennenzulernen und ihre Stücke zu kaufen? Denen aber nur die gemeinsame Website zum Ansurfen fehlt? Nicht weil sie nicht schon irgendwo existiert, sondern allein, weil sie diese Seite nicht kennen?

Kann inzwischen doch übers Internet eine neue lebensfähige Musikindustrie neben der Musikindustrie entstehen, die bereit ist ihre Inhalte unkompliziert, systemübergreifend und ohne Kopierschutz übers Internet zu verbreiten? Inklusive eines breit gefächerten Musikangebots von Klassik bis Heavy Metal? Statt dem Scheuklappenangebot der Formatradios?

Technisch ist alles vorhanden Internet, MP3, Ogg Vorbis, DivX, Internet-Radios, Videostreaming, P2P-Netze zur Verteilung, Bezahlen per Überweisung, Kreditkarte, Paybox, Paypal, SMS, 0190..., bezahlbares Equipment vom Computer bis zur Digicam für die Produktion, unbekannte Bands und Talente existieren usw. Alles da, nur die ersten Musiker, die allein übers Internet allgemein bekannt werden und dann von ihrer Musik leben können fehlen noch. Im Fall von Shareware oder eigentlich gar ganz kostenloser Software hats in Einzelfällen geklappt.

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